facharzt - STÖRUNGEN DER SPRACHE UND DES SPRECHENS
   
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11 STÖRUNGEN DER SPRACHE UND DES SPRECHENS
 
·         Sprache: symbolische Kodierung von Informationen;
gesprochene Sprache, Schriftsprache, Zeichen und Gesten
·         Sprechen: gesprochene Sprache mit Wort-Klang-Produktion und Artikulationsfertigkeiten
Phonologie (System der Laute)
Grammatik (Syntax und Morphologie)
Semantik (Repräsentation der Bedeutung)
Pragmatik (Einsatz der Sprache)
Logopädisch-phoniatrische Untersuchung:
Störungen der Lautbildung (Dyslalie), des Wortgebrauchs (Dysnomie), des Satzgebrauchs (Dysgrammatismus), des Redeflusses (Dysfluenz), des Sprachtempos (Dysagogie), der Sprachakzentuirung (Dysprosodie), der Stimmbildung (Dysphonie)
Indikationen und Alter für logopädisch-phoniatrische Abklärung:
·         Auffälligkeiten bei beginnender Sprachentwicklung:
o   Fehlende/eingeschränkte Reaktion auf Geräusche (Hörprüfung)
§ Ab 0-6 Monaten
o   Abnahme der Lautproduktion
§ Ab 6-9 Monaten
o   Fehlendes/eingeschränktes Sprachverständnis
§ Ab 1 ½ Jahren
o   Weniger als 3-5 Wörter (ausgenommen Mama u. Papa)
§ Mädchen ab 2 Jahren
§ Buben ab 2,5 Jahren
·         Auffälligkeiten der Lautbildung (Stammeln, Dyslalie):
o   Fehlen/Falschbilden der meisten Laute, Gesprochenes unverständlich
§ Ab 3 Jahren
o   Fehlen/Falschbildung mehrerer Laute, Gesprochenes meist verständlich
§ Ab 4,5 Jahren
o   Fehlen einzelner Laute (z.B. s statt sch)
§ Ab 5-6 Jahren
o   Falschbildung einzelnder Laute (z.B. s interdental)
§ Ab 6-7 Jahren
·         Auffälligkeiten des Satzbaus (Dysgrammatismus)
o   Keine Zweiwortsätze
§ Mädchen ab 2-2,5 Jahren
§ Buben 2,5-3 Jahren
o   Grammatikalische u. syntaktische Fehler in kurzen Sätzen
§ Ab 4,5 Jahren
o   Grammatik. u. syntaktische Fehler in längeren Sätzen, Nebens.
§ Ab 5-6 Jahren
·         Auffälligkeiten des Redeflusses (Stottern, Poltern):
o   Klonisches Wiederholen von Silben und Wörtern
§ Ab 3 Jahren
o   Tonisches Wiederholen von Silben und Wörtern, evtl. Mitbewegungen und Mitgeräusche
§ Beim Auftreten
o   Hastiges und undeutliches Sprechen
§ Ab 4,5 jahren
·         Bei Auftreten mehrerer Auffälligkeiten gilt das jüngere Alter
 
11.1 SPRACHENTWICKLUNGSSTÖRUNG
11.1.1 DEFINITION, KLASSIFIKATION UND HÄUFIGKEIT
·         Muster des Spracherwerbs bereits in frühen Stadien der Entwicklung beeinträchtigt;
·         Kind mit 2-4,5 Jahren nur 3-4 Wörter
·         Bis Ende des 3. LJ. kein Spracherwerb
Expressive Sprachstörung (F80.1):
Sprache dem Intelligenzalter unangemessen, Sprachverständnis im Normbereich
Rezeptive Sprachstörung (F80.2):
Sprachverständnis unter Intelligenzalter, expressive Sprache deutlich gestört;
Kind reagiert mit 1 J. nicht auf Namen vertrauter Personen;
zeigt mit 18 Monaten nicht auf wenige häufig vorkommende Gegenstände
befolgt mit 2 J. einfache Aufforderungen nicht
Häufigkeit:   3-7% expressive Sprachstörung;  (im Vorschulalter)
3-5% rezeptive Sprachstörung
Buben 2-5 mal häufiger
11.1.2 KLINIK UND DIAGNOSTIK
Verzögerte Sprachanbahnung (Verzögerung der Expressivsprache und des Sprachverständnisses, Dysgrammatismus, eingeschränkter Wortschatz sowie Wortfindungsstörungen)
Agrammatismus: schwerste Form; Pat. Spricht in Einwortsätzen, Telegrammstil;
Eingeschränkter Wortschatz, Gebrauch einiger weniger Worte, begleitende Redeflussstörungen;
Häufig in Kombination mit multiplen Entwicklungsrückständen (auditive Wahrnehmungsstörungen, motor. Koordinationsstörungen, Leseschwächen)
Psychische Störungen: HKS, Störungen d. SV, emotionale Störungen häufig; soziale Isolation gefährdend
Diagnostik:   Anamnese familiärer Belastungen mit Sprachstörungen, Förderbedingungen für das Kind, Mehrsprachigkeit, bedeutsame Hörstörungen, begleitende motorische Störungen, Vorliegen von koexistenten psychischen Störungen, Sprachdiagnostik (Logopäden), Sprachentwicklungstests (Heidelberger Sprachentwicklungstest HSET, Einschätzungsbogen kindlicher Kommunikation); entwicklungsneurologische Untersuchung, EEG, neuropsychologische Diagnostik, pädaudiologische Untersuchung, Entwicklungs- bzw. Intelligenztests, psychiatrische Diagnostik
DD: geistige Behinderung, frühkindlicher Autismus, Mutismus, Aphasie, Hörstörung, Landau-Kleffner-Syndrom (F80.3), integrative Störungen (F84.3)
11.1.3 ÄTIOLOGIE
genetische Faktoren mit polygenem Erbgang, psychosoziale Faktoren (präverbale Vokalisation und Sprachanbahnung von äußeren Anregung abhängig, Mehrsprachigkeit hemmend)
organische Faktoren weniger Einfluß als früher angenommen (erst Schädigung beider Hemisphären ausgeprägte und anhlatende Beeinträchtigung der Sprachentwicklung)
11.1.4 THERAPIE UND VERLAUF
über Imitation und Spiel, Eltern eingebunden; Methoden der VT (operante Verstärkung), Teilkonzepte der klientenzentrierten Spieltherapie, funktionelle Therapien bei Entwicklungsstörungen;
komorbide psych. Störungen indikationsbezogen PT, Psychopharmaka;
Verlauf: überwiegende Zahl Kompensation vor Einschulung;
persistierende Sprachstörung meist von Lese-Rechtschreibstörung, schlechteren Schulabschlüssen dissozialen Verhaltensstörungen begleitet; Kinder mit Störung der auditiven Diskriminationsfähigkeit und rezeptiven Sprachstörung Prognose ungünstiger;
komorbide psych. Störungen ungünstig für Prognose
 
11.2 APHASIEN
11.2.1 DEFINITION UND KLINISCHES BILD
= Sprachabbau bzw. Verlust durch umschriebenen Entwicklungsherd in der dominanten Hirnhälfte
·         Motorische Aphasie: Schädigung d. Broca-Zentrums im Bereich des unteren Abschnitts der 3. Stirnwindung; Störung der Expressivsprache; Sprachverständnis erhalten; Spontansprache fehlt; telegrammstilartig; Artikulation gestört; Schriftsprache nicht möglich; Abschrift schon;
·         Sensorische Aphasie: Schädigung des Wernicke-Zentrums im rückwärtigen Abschnitt der ersten Schläfenwindung; Störung der rezeptiven Sprache; Beeinträchtigung des Nachsprechens, des Lesens und der Spontansprache;
·         Totale Aphasie im Kindes und Jugendalter eher die Regel!!
·         Landau-Kleffner-Syndrom: plötzlich oder über Wochen nach zuvor normaler Sprachentwicklung; expressive und rezeptive Sprachfertigkeiten betroffen; Intelligenz und Sozialverhalten bleiben erhalten; paroxysmale EEG-Aktivitäten; epileptische Anfälle; Audiometrie normal; zwischen 3. Und 7. LJ.
 
11.2.2 DIAGNOSE UND DIFFERENZIALDIAGNOSE
Beobachtung der Spontansprache und des Sprachverständnisses (Aufsagen von automatisierten Reihen, Nachsprechen von sinnvollen Wörtern, Benennen von Objekten, Vollenden angefangener Texte, Bildung von Ober- und Unterbegriffen, Zeigen von Gegenständen, Befolgen von Anweisungen, Wiedergabe einer Geschichte, lautes Lesen); neuropsychologische Diagnostik (Intelligenz, Sprachfertigkeiten)
DD: Sprachentwicklungsstörungen, frühkindlicher Autismus, Mutismus
 
11.2.3 ÄTIOLOGIE
Schädel-Hirn-Traumen, TU, Gefäßverschlüsse, Enzephalitiden
11.2.4 THERAPIE UND VERLAUF
intensive Logopädische Behandlung; psychotherapeutische Elemente; psychosoziale Integration in Familie und Schule;
Verlauf: von Ursache, Lebensalter bei Schädigung, Komplikationen, initialen Rückbildungsgeschwindigkeit nach der Schädigung bestimmt; bei etwa 8 Jahren liegt die Grenze ab der die nicht dominante Hemisphäre kompensatorisch noch aktiv werden kann; bei Traumen oder Entzündungen Kompensation schon früher nicht mehr möglich
 
 
11.3 ANDERE SPRACHABBAUSTÖRUNGEN
·         Demenziellen Prozessen: gesteigerter Rededrang, Dyslalie, Dys- und Agrammatismus, fortschreitender Zunahme von Perseveration und Echolalie; therapeutisch nicht aufgehalten;
·         Kindlichen Schizophrenie: autistischen Sprachbenutzung, wenig Spontansprache, Selbstgespräche, Dysgrammatismus, Dyslalie, symbolträchtige, hoch ideasynkratische Privatsprache;
11.4 ARTIKULATIONSSTÖRUNG (F80.0)
11.4.1 DEFINITION, KLASSIFIKATION UND HÄUFIGKEIT
primäre Störung der Lautbildung; Dyslalie oder Stammeln
·         Partielle Dyslalie mit geringfügigen Ausfällen
·         Multiple Dyslalie
·         Universelle Dyslalie mit Betroffenheit des gesamten Lautbestandes und zusätzlicher Komplikation durch einen Dysgrammatismus
Symptome: Sigmatismus (Lispeln), Rhotazismus (R-Lautstörung), Zischlautstörungen, Silben- und Wortstammeln
Physiologische Stammeln im Alter von 2-4 Jahren
Häufigkeit: Vorschulalter 5-8%; Buben 3-5 mal häufiger; Sigmatismus häufiger
 
11.4.2 KLINIK UND DIAGNOSTIK
Laute und Lautverbindungen können nicht altersgemäß ausgesprochen werden; Diskrepanz zur übrigen normalen Entwicklung
Anamnese (fam. Häufungen, schlechte Sprachmodelle, detaillierte Erhebung der Entwicklung), logopädische Sprachdiagnostik, Störungsbewußtsein des Kindes, kognitive Entwicklungsniveau, komorbide psychische Störungen, pädaudiologische Untersuchung,;
DD: Fehlbildungen im Oralbereich, oralmotorische Koordinationsstörungen auf Dysarthrien, Hörstörungen (audiogene Dyslalie), Begleitsymptom bei geistiger Behinderung, expressive oder rezeptive Sprachentwicklungsstörung
 
11.4.3 ÄTIOLOGIE
Ursachen nicht ausreichend geklärt;
familiäre Häufungen (genetisch/Sprachvorbilder)
 
11.4.4 THERAPIE UND VERLAUF
Logopädie
Frühbeginn, spielerische Einbettung in den Alltag, gezieltes Artikulationstraining, Lautdiskriminationsübungen, Elternberatung;
Behandlung psychischer Störungen indikationsbezogen;

unbehandelt bis ins Erwachsenenalter mögliche Persistenz;
Prognose für multiple und universelle Dyslalien ungünstiger
11.5 STOTTERN
11.5.1 DEFINITION, KLINISCHES BILD UND HÄUFIGKEIT
= Balbuties, Tachyphemie; Störung des Redeflusses mit tonischen, klonischen und kombiniert tonisch-klonischen Grundformen
Primärsymptome: tonische Pressung von Atmung, Stimme und Artikulation in Form von abnorm langen Lautdehnungen und Blockierungen; klonische Unterbrechung von Einzellauten besonders am Wortanfang
Sekundärsymptome:Atemverschieben, Schmatz- und Schluckgeräusche, Flickworte, Mitbewegungen von Gesicht und Extremitäten, vegetative Symptome, Monotonie der Sprachmelodie, Veränderung der Sprechweise, Vermeiden gefürchteter Wörter, Sprechscheu
Psychische Störungen: gehäuft, v.a. emotionale Störungen mit sozialem Rückzug
1% der Bevölkerung stottert; Beginn meist Vorschulalter; 4 von 5 Spontanheilung; Entwicklungsstottern per se im Vorschulalter nicht pathologisch; Buben 2-3 mal häufiger;
11.5.2 DIAGNOSE UND DIFFERENZIALDIAGNOSE
Beobachtung der Spontansprache bzw. Nachsprechen, Lesen und Beschreibungen nach entsprechender Aufforderung;
Logopädie (strukturierte Erhebungsverfahren); entwicklungsneurologische und -physiologische Untersuchung (EEG) und Motometrie; Exploration
!!!GRUPPENEINTEILUNG DES STOTTERNS NACH VAN RIPER!!!! GOOGLE
DD:
normale Sprechunflüssigkeit im Vorschulalter (Pausen, Einschieben von Lauten, Silben Wörtern, Wiederholung von(Teil)sätzen/ einsilbigen Wörtern/ Satzteilen, Satzwiederholungen im Wort, normaler Sprechrhythmus)
Poltern:Silben oder Wortwiederholungen ohne spastisches Verhalten; bei Aufforderung ruhig zu sprechen Besserung (beim Stotterer Verschlechterung), fehlendes Bewußtsein beim Polterer
11.5.3 ÄTIOLOGIE
·         Hirnfunktionsstörung (patholog. EEG, entwicklungsneurologische Defizite motor. Funktionen und Perzeptionsstörungen zwar gehäuft aber nicht pathognonomisch)
·         Hirnfunktionsstörungen und genetische Faktoren nur Prädisposition
·         Neurophysiologische Theorie > Störungen des neuromuskulären Kontrollsystems
·         Unspezifische Umweltbelastungen (fam. Belastungen, elterliche Fehlreaktionen, negative Etikettierung des Stotterns)
·         Psychologische Theorien z.B. Ausdruck eines frühkindlichen Konflikts
 
11.5.4 THERAPIE UND VERLAUF
Vielzahl von Behandlungsansätzen:
Suggestive Verfahren (Hypnose), Entspannungstechniken (Schlaftherapie, Autogenes Training, systematische Desensibilsierung), logopädische Verfahren (rhythmische Übungen, Einsatz von Singen, Atemübungen), Konditionsverfahren (operante Verstärkung, Biofeedback),Behandlung mit techn. Hilfsmittelsn, PT, Medikation (Diazepam)
Therapieziel von Alter, Dauer der Symptomatik und subjektiven Problematik des Kindes abhängig
Gruppe 1: Elternberatung
Gruppe 2: Elternberatung und Sprachtherapie
Gruppe 3 u. 4: Elternberatung und Psychotherapie
·         Elternberatung: Abbau symptomverstärkender Symptome (weniger kritisch und fordernd hinsichtlich Sprechverhalten)
·         Logopädisch und sprachtherapeutische Behandlungsansätze
·         Psychotherapie:Spieltherapie, Gesprächs- und Verhaltenstherapie, Gruppentherapie, Rollenspiel
·         Verhaltenstherapeutische Interventionen: Entspannungsverfahren, systematische Desensibilisierung, Verstärkung flüssigen Sprechens, Selbstsicherheitstraining
·         Chron. Stottern andere Therapieziele: Elternberatung immer unverzichtbar; Rolle des Stotternden anzunehmen, gegenüber unangenehmen Situationen desensibilisieren, Form des Stotterns zu modifizieren, Reduktion der Sprechangst, sog. flüssiges Stottern
·         Medikamente schlecht evaluiert (Thiaprid deutliche Stotterreduktion)
·         Sonderschule(nur bei Überforderung in Normalschule)
Verlauf: Neigung zur Persistenz; Heilung 30-70% (Schätzungen)
 
11.6 POLTERN
11.6.1 DEFINITION UND KLINISCHES BILD
überstürzter, den gesamten Sprechvorgang bestimmender Redefluß mit teils verwaschener Artikulation, Verschlucken und Verstümmeln von Lauten, Wortenden und ganzen Satzteilen, monotoner Sprachmelodie, Stolpern im Redefluß und gelegentlich zusätzlichen Störungen der Wortfindung
oft Ausdruck einer impulsiven und motorisch ungeschickten Persönlichkeit
Buben > Mädchen
Mischformen mit Stottern möglich; Dyslalie und Dysgrammatismus häufig begleitend; oft zusätzlich HKS
11.6.2 DIAGNOSE UND DIFFERENZIALDIAGNOSE
Beobachtung der Spontansprache, organneurologische Abklärung mit entwicklungsneurologischem Status, EEG (Hirnfunktionsstörung im Sinne einer Reifungsverzögerung), Persönlichkeitsdiagnostik (impulsives, extrovertiertes Profil, fehlender Leidensdruck, vermehrte Aufmerksamkeitszuwendung verbessert Symptomatik)
11.6.3 ÄTIOLOGIE
genet. Einflüsse, hirnorganische (auditive Diskriminationsfähigkeit, Reifungsverzögerung), konstitutionelle Faktoren (Knabenwendigkeit), Umweltfaktoren
11.6.4 THERAPIE UND VERLAUF
logopädische Behandlung (Verlangsamung des Redeflusses, Erhöhung der Konzentration, Verbesserung der Artikulation, motorische Übungsbehandlung)bei entsprechender Motivationgünstiger Verlauf; schweres Poltern kann unbeeinflußbar sein
 
11.7 MUTISMUS
11.7.1 DEFINITION, KLASSIFIKATION UND HÄUFIGKEIT
= Sprechunfähigkeit in bestimmten sozialen Situationen, in denen Sprechen erwartet wird (z.B. Schule); in anderen Situationen Sprechen möglich;
normaler Sprachausdruck, normales Sprachverständnis;
symptomatisch bei organ. Störungen und bei Psychosen
Klassifikation als Angststörung wäre ebenfalls möglich
·         Elektiven Mutismus: nur auf bestimmte Menschen bezogen
·         Totalen Mutismus
Prävalenzraten: keine repräsentative Daten (variieren zw. 8 und 190/ 10.000)
seltene Symptomatik; Buben:Mädchen ausgeglichen bis Dominanz der Mädchen;
in einigen Studien Häufung bei Bilingualismus und Migration
11.7.2 KLINISCHES BILD
meist im Vorschul-/Einschulalter, selten nach Alter von 9 Jahren;
gesenkter Kopf, halb geöffnete Augen mit verstohlener, abwartender und abtastender Musterung, Gemisch von ängstlicher Abwehr und passivem Trotz;
Psychopathologisch: Scheu, Angst, Furchtsamkeit, Depressivität;
in der Regel nonverbales Verständnis möglich;
bei elektiven Mutismus (häufigsten Form) Verständigung mit Bezugspersonen
Anamnese: Sprachentwicklungsverzögerungen, Beziehungsstörungen
Komorbide Störungen: Angststörungen (speziell Sozialphobie), Entwicklungsstörungen (speziell Sprach- und Sprechstörungen), seltener Depression, Schlafstörungen, Ausscheidungsstörungen, HKS, Tics, Zwänge
Manchmal Eindruck Dritter: Kinder kontrollierend und oppositionell
Familiäre Verhältnisse: überprotektive, eng bindende Mütter, kommunikationsarme Väter, psychische Störungen, Sprachauffälligkeiten, Partnerbeziehungsstörungen, körperliche Züchtigung und Misshandlung
11.7.3 DIAGNOSE UND DIFFERENZIALDIAGNOSE
charakteristische Symptomentwicklung, Beobachtung, Anamnese, Exploration, Fragebögen zur Erfassung des elektiven Mutismus für Eltern/Lehrer, psychopathologische Befunderhebung (Angststörungen, Breitbandfragebögen zur Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten), Komorbiditäten
DD: Aphasie, Hörstummheit, symptomatischer Mutismus bei Psychosen, frühkindlicher Autismus, Hörstörungen, Sprechverweigerung bei dissoziativen Störungen (situationsübergreifend und weniger persistierend), Schulphobie, depressive Episode, PTSD
11.7.4 ÄTIOLOGIE
Entwicklungsverzögerungen (Sprachentwicklungsverzögerungen, Enuresis, Enkopresis), Primärpersönlichkeit/Temperament (ängstlich, sensibel, scheu), vererbte Persönlichkeitsmerkmale (Sprechhemmung, Schweigsamkeit, soziale Ängstlichkeit), kulturelle Belastung (Immigrantenkinder), traumatisierende Lebensereignisse, Familienpathologie (Sprachauffälligkeiten, pathologische Bindung, Sündenbockfunktion des Kindes bei Partnerbeziehungsstörungen, körperl. Misshandlung)
11.7.5 THERAPIE UND VERLAUF
in Praxis verschiedene, jeweils verfügbare Methoden- kaum Studien
Psychotherapie wie Hypnose, Psychoanalyse, VT (relativ am meisten evaluiert; operante Konditionierung), Familientherapie, Pharmakotherapie (SSRI)
Verlauf: niedrige Häugfigkeit, widersprüchliche Daten (50-80% Heilung)
            nach langem Verlauf, hartnäckigen Persistieren > schwer zu behandeln
            Remissionen auch ohne Therapie (Umgebungswechsel)
            häufig Sozialphobien im Erwachsenenalter
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